Was ist dein Guilty Pleasure?

“Sorry, ich versteh die Frage nicht”.
Meine Antwort auf der Party als mich jemand fragte. Dabei war es mir egal ob mein Gegenüber dann dachte “Wie arrogant” oder so ;)

Allein dieses Wort trägt schon die Botschaft in sich: Genuss, aber halt mit ein bisschen Beigeschmack. So ein bisschen etwas verbotenes gepaart mit schlechtem Gewissen und Scham… so “eigentlich dürft ich das gar nicht” weil ich zu erwachsen bin oder sonstige Schamgedanken, die im Hintergrund mitschwingen.

Aber warum?
Warum ist das so?
Warum soll ich mich für etwas schämen was mir Genuss bereitet? Das Konzept an sich ist ja Bullshit.

Woher kommt das also?
(Bei diesen 4 Punkten hat mir Claude geholfen)

1. Antike und frühes Christentum: Lust wird moralisch aufgeladen
Bei Augustinus (4./5. Jh.) wird sexuelle Lust zum Zeichen des “gefallenen” Menschen. Genuss des Körpers gilt als Ablenkung vom Göttlichen. Schon bei Tertullian (um 200) wird die Frau als “Pforte des Teufels” bezeichnet. Hier entsteht die Verknüpfung: Lust = Sünde = Schuld, und Frauen werden besonders mit dem Körper und der Versuchung gleichgesetzt.

2. Mittelalter bis frühe Neuzeit: Kontrolle durch Angst
Die Beichte machte Lust zu etwas, das man gestehen und büßen musste. Frauen, die ihrem Körper, ihrem Wissen oder ihrer Intuition vertrauten, riskierten im schlimmsten Fall als Hexen verfolgt zu werden. Das ist keine abstrakte Moral mehr, sondern gelernte Überlebensstrategie: Wer sich unauffällig, brav und kontrolliert verhält, ist sicher. Diese Prägung geben Mütter an Töchter weiter, oft ohne es zu wissen.

3. Protestantische Arbeitsethik und Industrialisierung: Genuss muss man sich verdienen
Max Weber beschrieb, wie Leistung und Disziplin als moralischer Wert gelten. Ruhe, Muße und Genuss wirken dann schnell wie Faulheit. Für Frauen kam dazu die Rolle der unbezahlten Fürsorgearbeit: Sie sollten verfügbar und nützlich sein, nicht “für sich” da.

4. 19. und 20. Jahrhundert: Weibliche Lust wird pathologisiert
Im Viktorianismus galt weibliche Lust als unanständig oder sogar als Krankheit (Stichwort “Hysterie”, die damals oft Frauen diagnostiziert wurde, die schlicht zu viel fühlten oder zu wenig funktionierten). Das Wissen über den weiblichen Körper und die Klitoris blieb bis weit ins 20. Jahrhundert lückenhaft oder tabuisiert. Die vollständige Abbildung der Klitoris im österreichsichen Biologie Buch war im Jahr 2022

Da könnte ich noch so viel tiefer rein gehen…. aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Egal was dein Guilty Pleasure ist:

Ob Trash-TV, Nichtstun, gutes Essen, Schlagermusik, Tagträumen oder einfach nichts leisten müssen: Das Konzept “Guilty Pleasure” ist kein harmloser Spaßbegriff. Es ist ein gesesllschaftliches Überbleibsel aus Jahrhunderte Schuld- und Schamprägung.

Was mich daran am meisten nervt?
Dass wir das Konzept “Guitly Pleasure” oft so verinnerlicht haben, dass wir es selbst weitertragen, mit einem Lächeln und einem kleinen Augenzwinkern.

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Genau hier ziehen du und ich jetzt eine Grenze.

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Du brauchst dich in keinster Weise für deinen Genuss zu rechtfertigen.
Es ist weder was falsches noch was beschämendes an dem was dir puren Genuss und Freude bereitet.

Pleasure, Genuss und pure Freude ist dein fucking Geburtstrecht.

Und ja, dein Pleasure darf alles sein:

  • Geiler Sex.  

  • Allein sein.

  • Zu viel lachen.

  • Zu laut sein.

  • Zu weich sein.

  • Zu sinnlich sein.

  • Zu wild tanzen.

  • Zu viel wollen.

  • Einfach unverschämt genießen.

Darum, meine Liebe: Streich das Wort “Guilty” aus deinem Wortschatz, es hat jetzt einfach ausgediehnt.
Ab jetzt gibt es nur noch Pleasure: Echter, Wilder, Verkörperter, Unapologetic Pleasure.

Und das wird alles verändern. Dein Nervensystem, deinen Selbstwert, deine Lebendigkeit. deine Fülle.
Denn wenn du dir und deinem Körper Genuss ohne Schuld erlaubst, lernst du: Ich bin sicher.

Und jetzt du: Was ist mit dir?
Was erlaubst du dir bisher nur heimlich?

In Liebe und voller unverschämter Power
<3 Claudia